Manöver-Tipp: "Klarmachen zum Ankern!"

Ankern ist so einfach - das kann jeder. Wirklich. --- Und schon liegt wirklich gar nichts mehr zwischen unserer Fantasie und einer sicheren und einsamen Nacht in dieser traumhaften Ankerbucht...

Im perfekten Fall müssen wir nur "Klarmachen zum Ankern!" rufen, den Anker aus der Verriegelung lösen und die Ankerleine oder Ankerkette ausrauschen lassen.

Wirklich! Die Hausboote sind in aller Regel bereits so grundlegend vorgerüstet und vorbereitet, dass wir auf der technischen Seite nur sehr, sehr wenig beachten müssen. Einzig den Ankerplatz sollten wir etwas sorgfältiger wählen... und vielleicht ein, zwei Worte zu "Zweitanker oder kein Zweitanker, das ist hier die Frage!" verlieren.

Was wir beachten müssen

... ist in wenigen Worten zusammengezählt:

  • Die Wassertiefe
  • Die Windrichtung (und ggf. Winddrehungen)
  • Andere Boote, die zu dicht neben uns liegen

Die Wassertiefe brauchen wir aus zwei Gründen: Erstens wollen wir das Boot ja nicht auf Grund setzen. Also brauchen wir ausreichend "Wasser unter dem Kiel". Zweitens wollen wir den Anker legen. Und da gibt es eine einfache Faustregel:

  • Kette = mindestens 3-fache Wassertiefe
  • Leine = mindestens 5-fache Wassertiefe

Vergiss diese Regel! Nimm einfach immer die gesamte Ketten- oder Leinen-Länge! Dann musst du nicht rechnen, und außerdem ... "länger ist besser"; das wissen wir doch alle, nicht wahr?! ;)

Die Windrichtung brauchen wir ebenfalls aus zwei Gründen: Erstens wird unser Boot in diese Richtung treiben, sobald wir den Motor ausmachen. Zweitens ist das die Richtung der Gefahr, falls der Anker nicht halten sollte.

Beim Ankern sollten wir niemals zu dicht neben andere Boote fahren (oder andere zu dicht zu uns kommen lassen). Dabei ist die Ruhe, die wir suchen, noch der kleinere Aspekt. Vielmehr geht es darum, dass dein Boot nicht ganz stillliegen wird, sondern immer noch bemüht ist, sich "freizuschwimmen". Und dabei taumelt es an der Ankerkette von links nach rechts und wieder zurück. Liegt nun ein anderes Boot in diesem "Schwenkbereich"  ... nun, dann kann es ordentlich rumsen. Und das wollen wir ja nicht, oder?!

Ankern ist (fast) wie Einparken

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Ankern funktioniert so einfach, dass es sich in wenigen Worten beschreiben lässt.

  1. Ankerplatz aussuchen
  2. Gegen den Wind darauf zufahren
  3. Bis zum Stillstand aufstoppen
  4. Bug-Anker werfen
  5. Schleichfahrt(!) rückwärts, bis die Leine oder Kette straff wird
  6. Erneut aufstoppen
  7. Motor aus - Ruhe genießen

Der Punkt (5) ist wohl der verwunderlichste, nicht wahr?! Warum rückwärts wegfahren, wenn der Anker schon unten ist?

Und die Antwort ist ganz einfach: Dabei gräbst du im wahrsten Sinne des Wortes den Anker im Grund ein. Natürlich kannst du diesen Job auch den Wind erledigen lassen, denn sobald du einmal aufgestoppt hast, wird er versuchen, dich wie ein Bündel Stroh vor sich herzutreiben. Und irgendwann wird er auch am Anker zerren. Doch das kann - gerade bei wenig Wind - sehr lange dauern und manchmal sogar gar nicht funktionieren. Und das wiederum würde bedeuten: Du treibst langsam aber sicher ab... Aber das wollen wir ja nicht, hm?!

Übrigens: Manchmal sieht man Boote, die ihren Anker dutzende Meter weit hinter sich herschleifen; immer in der Hoffnung, dass er sich nun aber bald eingraben möge. Vergiss das! Dein Boot wiegt 5, 10 oder noch mehr Tonnen. Da kannst du allein mit der schieren Masse deines Bootes - und noch unterstützt durch den Motor - jeden Anker bis nach Hause mitschleifen, wenn du es darauf anlegst.

Nach dem Fallenlassen des Ankers einfach kurz rückwärts Fahrt aufnehmen (also den Wind unterstützen) und dann Schluss. Stoppt das Boot nun allein auf und beendet die Rückwärtsfahrt, ohne dass du etwas dazu beitragen musst, darfst du sicher sein, dass der Anker vermutlich hält.

Vermutlich? - Ja, vermutlich! Es gibt keine 100%ige Sicherheit dafür, dass der Anker wirklich macht, was wir von ihm erwarten. Deshalb ist es eine gute Idee, eine Ankerpeilung zu machen und sie in den nächsten Stunden gelegentlich zu kontrollieren.

Ankerpeilung machen

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Zweifellos wirst du dir eine ruhige - idealerweise fast windstille - Bucht ausgesucht haben. Dennoch solltest du eine Ankerpeilung nicht unterlassen, denn das Ufer ist auf Binnenseen immer nahe, und dort ist es flach ... im unangenehmsten Fall liegen dort Steine, die Schraube und Unterwasserschiff beschädigen können.

Wie geht's?

Ganz einfach: Nimm dir zwei Landmarken her, die du miteinander in Deckung bringen kannst. Das kann ein Schilfbündel am Ufer und dahinter ein Strommast sein. Oder ein Grasbüschel und ein paar Meter dahinter ein Busch oder Baum.

Hausboot mieten - Praxis-Tipps: Ankerpeilung machen

Nach einiger Zeit (am Anfang ca. nach 15 Minuten, später dann etwa alle Stunde) schaust du nach, ob die beiden Landmarken noch ungefähr in Deckung zu bringen sind. Das wird nie 100%ig funktionieren, wie du im Abschnitt "Warum Ankern dann doch nicht wie Einparken ist" nachlesen kannst, aber es sollte nicht allzu sehr abweichen.

Tipp: Suche dir zwei Landmarken aus, die mindestens 100 Meter voneinander entfernt sind. Je weiter beide voneinander entfernt sind, desto leichter kannst du deine Ankerpeilung kontrollieren.

Sollten beide Landmarken irgendwann überhaupt nicht mehr in Übereinstimmung zu bringen sein, hat der Anker nicht gehalten. Wenn du noch eine Weile wach bist, suche dir zwei neue Landmarken und nutze sie als neue Ankerpeilung, bis du sicher bist, dass der Anker wirklich hält. Wenn du bald ins Bett gehen willst, ist es sicherlich eine gute Idee, den Anker noch einmal auszulegen und ihn sich nun eingraben zu lassen.

Warum Ankern dann doch nicht wie Einparken ist...

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Wenn du mit deinem Auto oder Fahrrad auf einen Stellplatz zufährst, und es dann einfach stehen lässt, bleibt es in aller Regel auch genau dort, wo du es hingestellt hast.

Boote nicht.

Sobald du vor Anker liegst, beginnt dein Boot zu "schwojen", das heißt, der Wind treibt es mal ein Stück nach rechts, dann wieder nach links, und wieder nach rechts und wieder nach links ... und so weiter. Das funktioniert sogar bei so wenig Wind, dass er nicht einmal die Wasseroberfläche kräuselt. Nur wenn wirklich 100% Windstille herrscht und überhaupt keine Strömung existiert, bleibt dein Boot auf der Stelle liegen.

Schwojen - Vor Anker liegen

Sobald du also an Position (A) vor Anker gegangen bist, wird dein Boot beginnen, "sich im Kreis zu drehen". Das stimmt meistens nicht ganz, denn es wird vielmehr immer hin und her treiben; aber rechne sicherheitshalber damit, dass du den ganzen Kreis brauchst, denn es gibt durchaus Gelegenheiten (wenn Wind, Welle und Strömung passen), in denen dein Boot auch mit dem Hintern zum Wind treiben kann, bevor es sich - vor dem Wind treibend - wieder zur Position (A) aufmacht.

Prinzipiell ist das keine tragische Sache, denn der Anker muss nur an Position (A) wirklich festhalten. Und es müsste schon sehr heftiger Wind wehen, dass er sich beim Schwojen losreißen kann.

Insofern nimm es sportlich (solange du zu faul bist, den Zweitanker zu legen): So kannst du das ganze Panorama genießen, ohne auch nur einen Finger rühren zu müssen. Einfach stillsitzen und abwarten, bis dich dein Boot vom Sonnenuntergang zur Uferkante - und wieder zurück - gedreht hat. :)

Vorsicht! Du wärst nicht der Erste, der nachts durch lautes Krachen geweckt wird, weil dein Boot und das deines Nachbarn zu dicht beieinander lagen und beim Schwojen zusammengestoßen sind! Halte Abstand zum Nachbarn!

Gang einlegen UND Handbremse: Der Zweitanker

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Auf allen vernünftig ausgerüsteten Hausbooten findest du einen Zweitanker. Den kannst (und solltest) du bei deinen Ankermanövern nutzen, denn er unterstützt dich, wo er nur kann:

  • Zunächst einmal ist es eine zusätzliche Sicherung, falls der andere Anker nicht hält
  • Darüber hinaus reduziert er das "Schwojen", also das hin und her treiben des Bootes, so dass Zusammenstöße mit Nachbarn unwahrscheinlicher werden

Hausboot mieten - Praxis-Tipps: Zweitanker ausbringen

Auf Binnenseen brauchst du mit dem Zweitanker keinen so großen Zauber veranstalten, wie du es auf Hoher See machen müsstest: Einfach das Ende der Ankerleine am Boot befestigen und anschließend den Anker mit großem Schwung nach hinten auswerfen. Wenn du ein Beiboot hast, musst du nicht werfen, sondern kannst ihn mit dem Beiboot ausbringen.

Achtung! Bevor du den Zweitanker wirfst, befestige das Ende der Anker-Leine am Boot! Die Leine spult sich sehr schnell ab. Und dann ist der Anker samt Leine schneller weg, als du zufassen kannst...

Denke daran, dass auch dieser Anker sich eingraben muss, bevor er wirklich hält. Es kann also durchaus passieren, dass dein Boot noch eine ganze Weile "im Kreis herumfahren will", bevor der Anker greift.

Achtung: Man sieht es immer wieder, dass die Leute Bug-Anker-Kette und Heck-Zweitanker-Leine straff holen. Damit hört das Boot wirklich auf zu schwojen und liegt, perfekte Windstille vorausgesetzt, absolut ruhig an der Kette. Wenn allerdings nachts Wind aufkommt, können beide Anker eventuell nicht mehr halten und dein Boot treibt ab. Deshalb halte dich einfach an die alte Faustregel:

  • Kette = 3-fache Wassertiefe
  • Leine = 5-fache Wassertiefe

Die meisten Hausboote haben gar nicht so viel Kette oder Leine am Anker. Dann lege aus, was man dir gelassen hat. Wenn du nicht gerade auf 20 Meter Wassertiefe ankerst, reicht es in aller Regel. Und wenn du doch auf 20 Meter ankerst, wirst du im Laufe des Abends in flacheres Gewässer treiben, bis der bzw. die Anker irgendwann Grund fassen und dein Boot festhalten können. Da nur sehr, sehr wenige befahrbare Binnenseen in Deutschland von 20 auf 0 Meter in 20 Metern ansteigen, ist die Gefahr, dass du deswegen aufs Ufer treibst, auch sehr, sehr gering.

Gute und schlechte Park ... errr ... Ankerplätze

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Natürlich sollte die Natur deinen Vorstellungen entsprechen. Es darf ruhig sein, es darf tiefes und sauberes Wasser da sein, ... es darf alles da sein, was du dir vorstellst. Insofern wollen wir gar nicht darüber reden und überlassen es dir und deiner Fantasie, was für dich gut ist. :)

Damit du aber nicht versehentlich am Strand aufwachst und wegen der Neigung des Bootes aus dem Bett rollst, solltest du ein paar Überlegungen anstellen:

Niemals bei auflandigem Wind ankern!
"Auflandig" ist der Wind, wenn er vom Wasser zum Ufer weht. Vor solchen Ufern halte dich fern, auch wenn es dir leid tun mag. Sollte der Anker hier - aus welchem Grund auch immer - mal nicht dauerhaft halten, hast du kaum Zeit zu reagieren und das Boot vom Ufer fern zu halten.

Niemals in der Nähe von großen Steinen ankern!
Halte dich auch von Steinen und Untiefen im See fern!

Niemals zu dicht am Ufer ankern!
Denke an den "Schwoj-Kreis" deines Bootes, in dem es hin und her treibt. Das macht es auch dicht am Ufer. Und dann hättest du gleich mit Volldampf aufs Ufer fahren können...

Plane unerwartete und für dich ungünstige Winddrehungen ein!
Der Wind ist zwar heutzutage ziemlich berechenbar geworden; dennoch solltest du auch mit dem besten Wetterbericht, der für Geld zu bekommen ist, nicht spielen: Plane immer ein, dass der Wind in die ungünstigste Richtung dreht. (Und nein, das muss er nicht einmal dauerhaft machen. Ein paar Minuten den Wind aus der falschen Richtung und schon treibt dein Boot auf Steine, Untiefen oder Ufer zu.)

 

Und nun ... "Happy Anker!", oder so. :)