Seeschlag

Seeschlag nennt man die Auswirkungen, die Wasser an Deck anrichten kann.

Und wenn du jetzt glaubst: "Pah, ist doch nur Wasser! Was soll da groß passieren?!", dann haben wir ein Experiment für dich:

Nimm einen 10-Liter-Eimer voll Wasser. Bitte einen Bekannten, auf einen Stuhl zu steigen und dir den Eimer mit Schwung über den Kopf zu kippen. Merkst du, wie "schwer" 10 Liter Wasser sein können?

Und das ist noch gar nix: Machen wir das nächste Experiment. Im Sommer gehst du im Meer baden (oder du warst es schon mal). Kennst du das Gefühl, wenn dir das an- oder abströmende Wasser die Beine wegreißen will?

In beiden Fällen reden wir nur über ein paar wenige Liter Wasser. Nun stelle dir vor, das sind nicht ein paar Liter, sondern dutzende Kubikmeter Wasser. Jeder einzelne Kubikmeter wiegt eine ganze Tonne! Und jeder einzelne prallt auf dein Boot.

Immer noch keine Vorstellung? Dann stelle dir in Gedanken dein Boot vor. Auf dieses Boot prallt alle 30 Sekunden ein Gegenstand, der ungefähr 30-200 Tonnen wiegt. (Größere Wellen können bis zu einigen Hundert Tonnen aufbringen.) ... Ahnst du jetzt, was Seeschlag ist? Das ist nix mit "weiches Wasser", oder so. Das ist eine brutale Kraft, die sogar in riesige Frachtschiffe und deren zentimeterdicke Stahlrümpfe gewaltige Löcher schlagen kann.

Einen Mast oder ein offenes Luk reißt die Welle praktisch im "Vorbeischwimmen" ab. Und das bremst sie noch nicht einmal merkbar aus.

Seeschlag durch Wellenfahrten

Falls du schon mal mit Kreuzfahrt- oder Fahrgastschiffen gefahren bist, kennst du das Gefühl sicherlich: Das Boot bäumt sich in der Welle auf und scheint hinter der Welle regelrecht nach unten zu kippen.

Im Normalfall macht das einen Heidenspaß und man kann gar nicht genug von dieser "Achterbahn-Fahrt" bekommen. Aber bei einer unglücklichen Wellenlänge gibt es ein blödes Phänomen:

Das Boot fährt artig die Welle hoch, kann auf dem Wellenkamm aber nicht rechtzeitig genug die Talfahrt beginnen. Stattdessen rollt die Welle unter dem Boot weg und das Boot neigt sich nach vorn und "kippt ins Leere", bis es regelrecht auf dem Wasser aufschlägt.

Dieser Effekt ist vielleicht lustig, weil es richtig hart knallt. Für das Boot ist es aber kreuzgefährlich.

Warum? - Ganz einfach: Stelle dir vor, dein Boot würde alle 30 Sekunden aus 5-10 Metern Höhe aufs Wasser fallengelassen werden. Wie oft würde es das wohl aushalten? Was denkst du?

Und schlimmer noch: Segelboote haben sehr hohe Aufbauten - vor allem Masten. Die schleudert es in ihren Befestigungs-Seilen (Wanten, Stage, etc.) hin und her. Und jeder Millimeter Spiel, jeder noch so kleine Materialfehler wird schon bald zu einer gewaltigen Gefahr ... bis es erst knirscht und dann kracht: ... *plumps* da liegt der Mast auf dem Boot ... aus 10-15 Metern Höhe direkt aufs Deck geknallt.

Es ist durchaus vorstellbar, dass man das gern vermeidet, nicht wahr?! :)

Übrigens

Seeschlag wird auch Blaues Wasser genannt, weil sowas meistens (fast nur) auf Hoher See passiert. Listigerweise heißt der englische Begriff dazu NICHT "blue water", sondern "green water".

"Blue Water" nennt man im Englischen jene Gebiete die nicht im Küstenbereich liegen, also ordentlich tief sind und deshalb als fast rein blaues Wasser erscheinen...