SBF See: Die praktische Prüfung
Ablegen vom Steg

Das Ablegen vom Steg ist eines der Pflichtmanöver, die du in der praktischen Prüfung durchführen musst. Es wird nicht zwingend von jedem verlangt, aber es kann dich mit großer Wahrscheinlichkeit treffen.

Das waren die negativen Nachrichten. Kommen wir zu den positiven: Dieses Manöver ist ultra-leicht. ... du musst es nur mal verinnerlichen. Und das machen wir jetzt in aller Ruhe.

Ablegen I - Manöver:
"Eindampfen in die Vorspring!"

Das "Eindampfen in die Vorspring" ist das einfachste Ablegemanöver, das wir kennen. Allerdings funktioniert es nur, wenn das Boot "quer am Steg" liegt. (Und das wird in der Prüfung in jedem Fall so sein.)

Vorbereitung

  • Ein Mann an die Vorleine (und Vorspring)
  • Ein Mann an die Achterleine (und ggf. Achterspring)
  • Du am Ruder
  • Der Prüfer neben oder hinter dir

Bevor du beginnst: Gehe das Manöver noch einmal komplett im Kopf durch. Nimm dir die Zeit! Sobald du es einmal im Kopf durchgespielt hast, wird die Durchführung zum Kinderspiel.

Tipp: Stelle deinen Fahrschul-Trainer oder einen erfahrenen Mann an die Vorleine (und die Vorspring). Das macht das Manöver noch leichter für dich, denn er wird wissen, was du tun willst, noch bevor du es selbst weißt. Und das hilft, kleine Fehler auszubügeln. ;)

Dein Kommando: "Klar zum Eindampfen in die Vorspring!"

Mit diesem Kommando beginnst du das Manöver. Und damit alle Bescheid wissen, kündigst du es brav an.

(Profis wissen jetzt längst, welche Handgriffe dafür erforderlich sind und was du wann machen wirst. Dennoch unterstützt du sie auch bei den weiteren Schritten, indem du immer ankündigst, was du tun willst - auf die Antwort der Leute wartest - und ERST DANN wirklich machst, was du machen wolltest.)

Antwort: "Ist klar!"

... Die Leute haben Bereitschaft gemeldet. Nun kann es losgehen.

Bootsführerschein - Ablegen - Prüfungsmanöver 

Ablegen I - Schritt 1:
"Vor- und Achterleine los!"

Das Ablegen sollte idealerweise damit beginnen, dass wir alle Verbindungen zum Steg kappen. Das macht sich aus rein praktischen Erwägungen besser, weil das Mitschleppen des Stegs zum Durchfallen im Manöver (und ggf. auch in der Prüfung) führt. Ganz abgesehen davon, ist ein Steg, der keine Landverbindung hat, irgendwie unpraktisch, nicht wahr?!

Dein Kommando: "Vorleine los! - Achterleine los! - Achterspring los!"

Jetzt sollten die beiden Hanseln, die du an die Vor- und Achterleine gestellt hast, fleißig schuften und die entsprechenden Leinen lösen. Sobald sie damit fertig sind, werden sie dir eine Rückantwort geben:

Antwort: "Vorleine ist los! - Achterleine ist los! - Achterspring ist los!"

Dein Job war es, auf diese Antwort zu warten. Mehr nicht. Das schaffen wir noch, oder?!

Bootsführerschein - Sportbootführerschein - Prüfungsmanöver - Ablegen - Eindampfen in die Vorspring 

Ablegen I - Schritt 2:
Wir legen ab...

Wenn der erste Schritt erfolgreich absolviert wurde, hängt das Boot nun nur noch an der Vorspring am Steg. Und das ist auch gut so, denn die brauchen wir jetzt.

Bei Geradeausfahrt gibst du ein gaaaaaaanz langsame Fahrt voraus. Das Boot wird sich nun ganz sachte vorwärts am Steg entlang schleichen, bis die Vorspring straff gespannt ist. Da das Boot vorne einen spitzen Bug hat, wird dieser nun beginnen, sich dem Steg zuzuwenden. Gleichzeitig wird das Boot (wenn es nicht auseinanderbrechen will) den Hintern vom Steg wegnehmen. Und genau das wollen wir erreichen.

Bootsführerschein - Motorbootschein - Eindampfen in die Vorspring 

Sobald das Boot mit einem Winkel von ca. 45° (das ist ein halber rechter Winkel) vom Steg absteht, haben wir den schlimmsten Teil hinter uns.

Jetzt nimmst du die Schleichfahrt voraus aus dem Boot und beginnst mit der Schleichtfahrt achteraus (also rückwärts). Aber wirklich Schleichfahrt! Schleichfahrt! Schleichfahrt!

Sobald die Vorspring lose geht, beginnt Schritt 3 unseres Ablegemanövers...

Ablegen I - Schritt 3:
"Vorspring los!"

Mit einsetzender Schleichfahrt achteraus (also rückwärts) wird sich die Vorspring entspannen.

Sportbootführerschein - Eindampfen in die Vorspring

Das ist der richtige Zeitpunkt, dem Mann vorn zuzubrüllen:

Dein Kommando: "Vorspring los!"

Wichtig ist, dass du das Manöver sofort mit einsetzender Rückwärtsfahrt gibst. Ansonsten kommt der Gute nicht mehr am Steg an und du wirst angeseilt bleiben... (Im Zweifel gibst du das Kommando in dem Augenblick, in dem du den Rückwärtsgang einlegst.)

Sollte dein Mann vorn zu lange brauchen, stoppe die Rückwärtsfahrt wieder! Es kommt hier nicht auf "flüssige Abläufe" an, sondern darauf, dass du nach dem Ablegen keinen Steg hinter dir herzerrst!

Antwort: "Vorspring ist los!"

Sobald dein Mann an der Vorspring diese Worte gebrüllt hat, bist du frei und kannst ganz entspannt rückwärts vom Steg wegfahren.

Bootsführerschein - Eindampfen in die Vorspring - Prüfungsmanöver 

Fahre MINDESTENS 2-3 Bootslängen rückwärts (bei Schleichfahrt!), damit du beim Umschalten in den Vorwärtsgang genügend Spielraum hast, um den Steg nicht doch noch zu rammen.

Blöde Fehler, die Punkte kosten können

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Eigentlich kann man bei diesem Manöver nicht viel falsch machen. Trotzdem schaffen es einige Leute immer wieder, selbst dieses Manöver zu vergeigen.

Deshalb beschäftigen wir uns nun noch einmal mit den wichtigsten Fehlern, Tücken und Unaufmerksamkeiten.

Fehler 1: Viel zu schnell!

Hallo?! Du willst kein Rennen fahren! Du willst eine Prüfung bestehen! Und in der Prüfung gibt es KEIN ZEITLIMIT für die Manöver. Deshalb nimm dir die Zeit! Nimm dir alle Zeit der Welt! Nirgendwo in der Prüfungsordnung steht: "Der Prüfling muss innerhalb von 7 Sekunden vom Steg abgelegt haben."

Also fahre extrem langsam. Ganz besonders dieses Manöver! Fahre so langsam, dass du es selbst kaum merkst, ob das Boot fährt oder nicht. So hast du nicht nur mehr Zeit für die einzelnen Schritte - du kannst auch leichter korrigieren, falls das Ruder nicht so liegt, wie du es eigentlich haben wolltest, oder wenn du mal Vorwärts- und Rückwärtsgang verwechselst. ;)

Fehler 2: Erst handeln - dann denken!

Immer wieder fallen Leute durch dieses Manöver, weil sie sich vorher nicht noch einmal die Zeit genommen haben, es im Kopf durchzugehen. Jeden einzelnen Schritt. 

Auch wenn du das Maöver in- und auswendig zu kennen glaubst: Gehe jeden Schritt noch einmal im Kopf durch! Überlege, wo die Fender sein müssen! Überlege, welche Leinen wann gelöst werden müssen!  Überlege, wie die Kommandos hießen! Überlege, ob du genug Platz für das Manöver hast! Überlege, welche Leute du wohin stellen willst, damit dein Manöver auch wirklich gelingt!

Überlege alles und jeden einzelnen Schritt in aller Ruhe! Lasse dich von nichts und niemandem hetzen! Die Bewertung des Manövers beginnt erst, wenn du anfängst! Nicht vorher!

Fehler 3: Kommandos vergessen

Ja, die Kommandos sind Bestandteil der Prüfung. Und deshalb solltest du sie - auch und gerade für dich selbst - unbedingt einprägen und verwenden! Sie helfen dir, dich auf die einzelnen Schritte zu konzentrieren. Und sie helfen insbesondere unerfahrenen Seeleuten (und das sind bei einer Prüfung fast alle), dich dabei zu unterstützen, dass dir dein Manöver gelingt.

Und außerdem solltest du sie zukünftig IMMER VERWENDEN, denn sie helfen dir, deine Crew zu koordinieren und dafür zu sorgen, dass jeder die Finger rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich ziehen kann...

Fehler 4: Vorspring nicht rechtzeitig gelöst

Die letzte Leine am Steg ist die Vorspring. Da sich das Boot beim Ablegen bewegt, ist es zwingend erforderlich, das Lösen der Vorspring RECHTZEITIG zu veranlassen. Idealerweise machst du es dann, wenn das Boot beginnt, rückwärts zu fahren. Du kannst es aber auch schon machen, wenn du den Rückwärtsgang einlegst.

Aber lasse dem Mann da vorn Zeit, die Leine loszubekommen! Es hilft nix, wenn du zu schnell bist! Sobald das Boot rückwärts Fahrt aufnimmt, kannst du also den Rückwärtsgang rausnehmen und es treiben lassen. Dann hat der Mann vorn mehr Zeit, die Leine loszubekommen ... und dich bei deinem Manöver zu unterstützen.

Fehler 5: Falsche Ruderlage

Obwohl es durchaus richtig ist (und Profis es auch machen): Die Ruderlage kann dich beim Ablegen unterstützen. Aber wenn du sie nutzt, achte UNBEDINGT darauf, wohin das Ruder bei welchem Schritt zeigt.

Am einfachsten ist es, wenn das Ruder stur geradeaus zeigt. Dann kann nix passieren und du kannst nix vergessen. Nur Vorwärtsgang, dann Rückwärtsgang ... und schon hast du abgelegt. 

Um Boot, Fender und Steg zu entlasten, kannst du auch "gegen den Steg" lenken, bevor du vorwärts fährst. Dann dreht sich das Boot schneller und leichter gegen den Steg. Aaaaaaber: BEVOR du rückwärts fährst, MUSS das Ruder wieder in "Geradeaus-Fahrt" eingestellt werden! Vergisst du das, kann dein Boot sich sehr ungewollt verhalten.

Im Zweifel gilt immer: Macht das Boot etwas falsch, nimm SOFORT Geschwindigkeit aus dem Boot! Gang raus! Gas weg! Kontrolliere dann die Ruderlage und erst dann gib erneut Gas!

Ein falscher Schwenk ist kein Durchfall! Die Berührung (oder Versenkung) von Steg oder anderen Booten hingegen sehr wohl!