Ist ein "Kombi-Kurs SBF Binnen und SBF See" etwas für mich?

Ja, wenn du dich vom Leben unterfordert fühlst, hobbymäßig häufiger mal eben annähernd 520 - 600 Fragen und Antworten auswendig lernst und den Stress von drei Prüfungen an einem Tag liebst...

In jeden anderen Fall lautet die Antwort eindeutig und unzweifelhaft: Nein! Lass die Finger davon!

Es gibt nur einen wirklichen Grund, den Kombi-Kurs in Angriff zu nehmen: Du musst nächsten Monat auf dem Wasserweg ein Boot von Köln nach Stockholm bringen.

Und wie - bitte schön - komme ich dann an beide Scheine?!

Ganz einfach: Du hast 16, 18, 25 oder noch mehr JAHRE auf die Scheine gewartet und konntest gut ohne sie leben. Nun machst du es ganz entspannt in ZWEI MONATEN.

  1. Mache zuerst den Sportbootführerschein See. Lerne die Fragen, bestehe die Theorie- und Praxis-Prüfung.
    Dafür wirst du ca. einen entspannten Monat (oder mit einem Kurs in einer Bootsfahrschule und anschließendem Lernen der Prüfungsfragen auch ca. einen Monat) brauchen.
     
  2. Nach bestandenem Sportbootführerschein See bereitest du dich in aller Gemütsruhe auf den Sportbootführerschein Binnen vor. Hier musst du nur noch 181 Fragen und Antworten lernen und eine Theorieprüfung bestehen. (Unser Selbstversuch ergab, dass man mit ca. 1-2 Wochen entspannter Vorbereitung in 7-10 Minuten die entsprechende Prüfung herunterreißen kann.)

Et voila! Schon hast du beide Scheine. Ganz entspannt und ohne die kleinste Schweißperle auf der Stirn.

Und dazu brauchst du auch keinen "Kurs" bei einer Bootsfahrschule. Lediglich die Vorbereitung auf die Praxis-Prüfung See solltest du mit einem prüfungserfahrenen Trainer machen, denn der kann dich ebenso gut und schnell auf die praktische Prüfung vorbereiten, wie wir dich auf die theoretische Prüfung vorbereiten.

Welche Vorteile hat ein Kombi-Kurs?

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Finanzieller Aspekt: Kombi-Kurse sind bei den meisten Bootsfahrschulen günstiger als zwei Einzelkurse. Du kannst also - je nach Preisklasse der Bootsfahrschule - zwischen 100 und 300 Euro sparen, wenn du einen Kombi-Kurs machst.

Zeitlicher Aspekt: Ein Kombi-Kurs wird im Regelfall innerhalb von 2-3 Wochen durchgezogen. Einzelkurse dauern selbst je ca. 2-3 Wochen. Du kannst also im Idealfall 2-3 Wochen Zeit sparen. Hinzu kommt auch, dass viele Menschen "prüfungsfaul" sind. Wenn sie nicht müssen, drücken sie sich vor den Prüfungen, so lange es geht. Das kann bedeuten, dass du im Zweifel mit einem Kombi-Kurs sogar viele Jahre Zeit sparst...

Inhaltlicher Aspekt: Bootsfahrschulen behaupten immer wieder, dass sich viele Fragen aus den beiden Theorie-Prüfungen (Binnen & See) sehr ähnlich sind. Manche sind sogar "fast identisch". Das würde bedeuten, dass du weniger Fragen lernen musst.

Das ist jedoch ein gefährliches Argument!

Tatsächlich gilt das nur für Leute, die sich mit den Feinheiten - und seien sie noch so klein - der Unterschiede sehr genau auskennen. Für alle anderen kann es zu einer kritischen Prüfungs-Rutschpartie werden, wenn sie plötzlich nicht mehr auseinander halten können "War das jetzt See? Oder war das Binnen? Wo galt noch die Richtung der rot/grünen Betonnung?"

Welche Vorteile hat es, wenn ich die Scheine einzeln mache?

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1Lern-Aspekt: Wenn du kein "Lern-Freak" bist und nicht so gern 520 - 600 Fragen und Antworten am Stück auswendig lernst, kannst du die Prüfungen aufteilen.

Lerne zuerst für den SBF See. Das sind 300 Fragen und Antworten. Mache dann die Prüfung (Theorie + Praxis).

Anschließend kannst du dir eine beliebig lange Atempause gönnen; oder auch gleich mit dem SBF Binnen anfangen. Jetzt musst du nicht mehr GLEICHZEITIG die SBF-See-Fragen im Kopf behalten, sondern kannst Platz für den SBF Binnen schaffen (je nach Schein 220 (nur Motor) bis 300 (Motor + Segel) Fragen).

Nachdem du auch die SBF Binnen Theorie bestanden hast, bist du genauso weit, wie ein Kombi-Lerner; nur mit dem Unterschied, dass du weniger graue Haare hast. ;)

2Wissens-Aspekt: Wir haben es oben schon beschrieben: In einem Kombi-Kurs ist keine Zeit für Wissen. Dort geht es ausschließlich darum, die vielen Fragen und Antworten zu lernen und irgendwie durch die Prüfung zu kommen.

Anders ist es in Einzelkursen, insbesondere, wenn sie mindestens eine Woche lang sind: Hier bleibt auch mal ein bisschen Zeit, das Eine oder Andere zu erklären und Hintergründe zu beleuchten. Wer also wirklich etwas lernen will, der wird hier mit Sicherheit zufriedener sein.

Aber warum raten die Bootsfahrschulen dann zum Kombi-Kurs? Warum bieten sie ihn überhaupt an?

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Eine spannende Frage, nicht wahr?!

Wenn man weniger lernt und es insgesamt erheblich stressiger ist, warum bieten die Bootsfahrschulen dann einen Kombi-Kurs überhaupt an?!

Dafür gibt es drei wesentliche Gründe:

Grund 1Es gibt auch Leute, die seit vielen Jahren Erfahrung auf dem Wasser haben, und für die die Prüfung nur das Nachholen des Zettels, aber kein Wissensgewinn mehr ist!
Sie sind zwar sehr selten, aber es gibt sie. Und für diese Leute (zumeist Regatta- oder Wettkampfsportler) ist ein Kombi-Kurs lediglich eine lustige Etappe, an deren Ende dann der Zettel steht, den sie eigentlich schon längst haben müssten, sollte man nur ihre praktische Erfahrung bewerten...

 Passt für dich nicht so wirklich? - Nun, dann schaue dir die weiteren Gründe an:

Grund 2Bootsfahrschulen sind keine Altruisten, die aus reiner Menschenliebe existieren. Es sind gewinnorientierte Unternehmen!
Sie müssen Geld verdienen, um ihre Rechnungen (und Urlaube) zu bezahlen. Und du bist bereit, ihnen Geld zu geben. Auch für die unsinnigsten Sachen.

Welchen Grund haben die Bootsfahrschulen also, das von dir angebotene Geld nicht zu nehmen?!

Grund 3Du fragst es nach - Bootsfahrschulen bieten es an.
Immer und immer wieder diskutieren wir mit Leuten, die uns Emails schreiben, die gleiche Frage: "Warum sollte ich nicht das billigere Angebot nutzen, wenn man es mir schon gibt?"

Wer billig kauft, kauft zwei Mal.

Natürlich kannst du es nutzen! Niemand verwehrt es dir! Deshalb bieten die Bootsfahrschulen es dir schließlich an, damit du es nutzt!

Aaaaber: Nicht sie wollen die Prüfungen bestehen, sondern DU. Und deshalb solltest DU überlegen, was für DICH am besten ist. Nicht ganz grundlos sagt der Volksmund: "Wer billig kauft, kauft zwei Mal!"

Hintergrund

Vielleicht wird es verständlicher, wenn wir uns mal aus der wirtschaftlichen Perspektive heranpirschen: Da wäre die Bootsfahrschule. Sie hat jede Menge Kosten, die durch die Boote, Trainer, Ausrüstung und Schulungsmaterialien entstehen. Und auch der Vermieter, die Telefongesellschaft und der Internet-Provider wollen jeden Monat ihr Geld haben. Ganz zu schweigen von den Stromanbietern und den Wasserversorgern. (Letztere wären bei Wassersportlern noch das kleinste Problem ;))

Nun kommt ein potenzieller Kunde - also du - angewackelt und sagt "Waaaaaas?! 250 Euro? Für einen Sportbootführerschein? ... Bist du noch ganz dicht?! ... Ich dachte, ich bekomme Geld dafür, wenn ich mich hier ausbilden lasse!"

Da kann die Bootsfahrschule noch so sehr argumentieren und sagen "Hey, das Material kostet Geld, die Leute wollen Lohn haben, und überhaupt ... du willst schließlich auch ein schickes Boot zur Prüfung, oder?!" Dir ist das egal! Du willst sparen! Koste es, was es wolle!

Und du kannst sparen. Denn nun fängt die Bootsfahrschule an, dir bessere Preise zu machen. Sie streicht einfach den guten (und teuren) Trainer und kauft einen billigeren (weil schlechteren) Trainer ein. Sie streicht auch Ausbildungsmaterial. Und sie verkürzt die (teure) Ausbildungszeit. Schließlich könnte sie den Kurs auch an einem einzigen Tag machen, denn die Leute dort haben den Schein längst. SIE müssen dafür nicht mehr lernen.

Alles, was du sparst, musst du aber zwangsläufig in eigene Zeit umsetzen, denn die Prüfung bleibt trotzdem gleich. Ganz egal, ob du in einer "Schule für Schotten" warst, oder ob du eine umfangreiche Ausbildung genossen hast. ... Also sitzt DU am Ende da und prügelst dich mit deinen eigenen Anforderungen: Knapp 1.000 Fragen (und Antworten) am Stück auswendig lernen und - zumindest bis zum Prüfungstag - behalten.

Du merkst, wo das hinführt?

DU bist es ganz allein, der diesen Unsinn verzapft. Die Bootsfahrschulen machen nur, was jedes gute Unternehmen machen würde: "Da verlangt einer, dass ich ihm Scheiße verkaufe. Also verkaufe ich Scheiße! Wer bin ich, dass ich beurteilen kann, ob ihm die Scheiße nicht vielleicht doch schmeckt?!"

Und DU bist es, der diesen Unsinn ausbadet. Ganz allein. Denn wenn du die Prüfung vergeigst, bist DU es, der den Schein nicht bekommt. Nicht die Trainer in deiner Bootsfahrschule...

Wer sich eine Hayabusa kauft, wird wohl kaum den Verkäufer verantwortlich machen können, wenn er sich mit 300 km/h um den Baum wickelt, weil er die Technik nicht beherrscht, oder?! Allerdings - und an dieser Stelle werden WIR dann zickig - sollte der Verkäufer nicht auf die Beratung verzichten: ... hier also den unbedingten Warnhinweis: "Vorsicht, das Teil ist ein echtes Kraftpaket mit eingebauter wahnsinnger Geschwindigkeit. Es ist für Profis und langjährige Motorrad-Kenner gedacht. Du hast noch nicht mal einen Moped-Schein und solltest vieles ausprobieren, aber nicht diesen Wanderfalken!"