Wie finde ich die richtige Bootsfahrschule?

"Wie jetzt?! Die 'richtige' Bootsfahrschule? --- Ja, gibt es denn eine 'falsche'?"

Oh ja, die gibt es! - Bootsfahrschulen sind gewerbliche Anbieter von Dienstleistungen. Und längst nicht jede leistet gleich gut --- manche könnte man sogar in der Rubrik "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" einordnen.

Und anders als die Auto-Fahrschulen sind sie keineswegs strengen Regeln oder Vorschriften unterworfen. Das hängt maßgeblich damit zusammen, dass es keine gesetzliche Vorschrift für die Sportbootführerschein-Ausbildung gibt, sie also schalten und walten können, wie sie es selbst für gut befinden.

Faktisch darf jeder ausbilden, der selbst den Sportbootführerschein besitzt. Ganz egal, was er/sie kann oder weiß.

Deshalb solltest du dir vor Beginn deiner Laufbahn als Seebär/Seebärin ein paar Gedanken zum Thema machen, wenn du nicht das Risko eingehen willst, teures Lehrgeld - oder lange anwaltliche Streits - zu riskieren.

1. Was will ICH eigentlich?

Die erste Frage, mit der du dich beschäftigen solltest, lautet "Was will ich eigentlich wirklich haben?"

Wenn du nur ein Glas Milch haben willst, brauchst du keine ganze Kuh! - Und ICH würde sie dann auch nicht kaufen. ;)

  • Willst du "nur" den Schein?
  • Willst du wirklich Wissen erwerben?

Bereits hier scheiden sich die Geister. Die einen wollen "schnell + billig" an den Schein kommen. Andere wissen, dass nur Wissen ihnen eines Tages den sprichwörtlichen Arsch retten wird und sind bereit, für eine bessere Ausbildung auch mehr Geld zu bezahlen ... oder so lange zu suchen, bis sie jemanden finden, der ihnen das entsprechende Wissen vermitteln kann.

Warum unterscheiden die Bootsfahrschulen das?! Müssen sie nicht "Wissen UND Schein" vermitteln?

Wenn du einen Sportbootführerschein-Kurs belegst, erteilst du der Bootsfahrschule nur den Auftrag, dich auf die Prüfung vorzubereiten. Die Vermittlung von Wissen ist im Regelfall nicht vereinbart. Aus gutem Grunde: Wissen lässt sich nicht mal eben in einer Woche vermitteln. Das braucht seine Zeit. Aber nur wenige Leute nehmen sich auch die Zeit, die es bräuchte. Und deshalb bieten nur wenige Bootsfahrschulen die (zeitaufwändige) Wissensvermittlung an.

Günstig contra billig

An dieser Stelle sei ein wichtiger Hinweis eingeflochten: Billig ist NICHT gleichbedeutend mit günstig!

Und weil John Ruskin es so schön auf den Punkt gebracht hat, sei er hier zitiert:

Das Gesetz der Wirtschaft

Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

Es ist unklug, zuviel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld. Das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten.

Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.

Ein einfaches Beispiel aus unserem Alltag im Kummer-Postkasten: Ein Benutzer unserer Plattform schrieb uns, dass er sich auf ein Super-Angebot eingelassen hatte. Man hatte ihm eine Werbung zukommen lassen, in der stand, dass er die Sportbootführerscheine See und Binnen für nur 99 Euro bekommen könnte.

Das klingt auf den ersten Blick toll! So viel Leistung für so wenig Geld ... was man da alles gespart hat!

Doch kaum begann der Kurs, begannen auch die "Nebenkosten". Los ging es mit Büchern, die "natürlich nicht im Preis" drin waren. Schon klingelten weitere 55 Euro in der Kasse. Die musste unser Teilnehmer natürlich nicht kaufen. Ein gutes Gedächtnis wäre auch ausreichend. Dann hätte er sich die Prüfungsfragen, die der Trainer vorlas, einfach merken können. --- Auf seine Frage, ob da noch mehr passieren würde, als einfach nur das Vorlesen kostenlos erhältlicher Prüfungsfragen und -antworten, reagierte der Trainer nervös: "In der Kürze wäre eben nicht mehr machbar", meinte er. Und tatsächlich: der gesamte Kurs - und der umfasst ca. 800 Prüfungsfragen - sollte nur zwei Wochenenden dauern. (Tipp: Du kannst ja mal versuchen, die Fragen innerhalb von 4 Tagen laut vorzulesen. Dann wirst du feststellen, wie viel Zeit du noch hast, um dir das Wissen dazu aus den Büchern anzulesen.)

 

2. Besuche die Bootsfahrschule im Internet!

Am Besten ist natürlich die Empfehlung von ehemaligen Prüfungsvorbereitern. Die haben bereits einschlägige Erfahrung mit einer oder mehreren Bootsfahrschulen gemacht und können dir zu- oder abraten.

Wenn du aber keine Bekannten hast, die über derartige Erfahrungen verfügen, dann suche im Internet nach einer Bootsfahrschule. Dort findest du auch gleich ein paar Bilder der Schule und der Boote, und du kannst dir einen ersten Eindruck verschaffen.

Bootsfahrschulen, die heutzutage keine eigene Webseite haben, oder Bootsfahrschulen, die ihre Website schlampig oder billig zusammenbasteln, dürfen dir gern suspekt sein! Entweder ist die Bootsfahrschule noch sehr jung - was berechtigte Zweifel an der Routine und Qualität aufkommen lassen darf - oder sie hat gute Gründe nicht im Internet gefunden werden zu wollen.

3. Fahre persönlich vorbei und schaue dir alles an!

Mal kurz überlegen: Würdest du dem Mediamarkt 300 Euro im Briefumschlag schicken, und einen Zettel beilegen, auf dem steht: "Wenn Sie Zeit haben, schicken Sie mir mal eine nette Stereoanlage zurück!"? --- Nicht? Warum nicht?! Mit der Bootsfahrschule willst du das doch auch gerade machen!

Du merkst schon: DAS HIER ist der wichtigste Schritt überhaupt. Du willst in der Schule ein paar Hundert Euronen lassen. Da ist es nur recht und billig, wenn du dir anschauen kannst, was du da kaufen sollst. Verschaffe dir einen Überblick, genauso, wie du es im Laden auch machen würdest. ... Oder kaufst du gern die Katze im Sack?

  • Schaue dir das Gelände an!

    Ist es sauber und gepflegt? So, wie man mit dem Gelände umgeht, wird man in aller Regel auch mit dir umgehen!

  • Lasse dir die Boote zeigen!

    Sind die Boote okay? Sehen sie gut und gepflegt aus? Frage nachz der Sicherheitsausrüstung (Rettungswesten, Lifebelts, Rettungsring, Feuerlöscher)! Lasse dir die Ausrüstung zeigen! (Behaupten kann jeder!)

  • Lasse dir die Ausbildungsräume und Lehrmaterialien zeigen und erklären!

    Du willst bald hier einen Kurs belegen. Und Lehrmaterialien sind keine Pflichtausstattung. Also lasse dir zeigen, womit man dir das Wissen vermitteln will. Nur allein "Ich erkläre es eben. Dazu brauche ich nichts zeigen." reicht definitiv nicht für eine gute Ausbildung aus!

  • Rede mit den Teilnehmern anderer Kurse!

    Wenn du schon mal da bist, kannst du doch gleuch auch mit anderen Kursteilnehmern reden. Sind sie zufrieden? Haben sie mittlerweile schon Probleme oder Sorgen mit der Fahrschule oder den Trainern? Läuft alles nach Plan, oder gibt's Sorgen?

  • Frage nach einem Schnupper-Seminar!

    Gute Bootsfahrschulen bieten dir an, dich für einen Nachmittag oder Abend in einen laufenden Kurs zu setzen. Dort erfährst du aus erster Hand, wie dein Kurs ablaufen wird. Wie viele Leute sind im Raum? Beantwortet der Trainer alle Fragen so, dass du sie auch verstehen kannst? Geht er auf die Probleme der Leute ein? Werden Hilfsmittel und Anschauungsmaterialien verwendet? ... Oder liest er nur die Prüfungsfragen vor?

  • Lasse dich nur auf "Kombi-Spar-Super-Günstig-Kurs-Angebote" ein, wenn du es WIRKLICH willst!

    So manche Bootsfahrschule wird versuchen, dir einen "Kombi-Kurs Binnen+See" aufzuschwatzen und das mit "Das ist doch viel billiger für dich!" begründen. Überlege dir SEHR GUT, ob du wirklich annähernd 1.000 Fragen und Antworten am Stück in kaum vier Wochen auswendig lernen willst!

Wenn sich die Fahrschule auch nur ein einziges Mal bockig anstellt, lasse die Finger davon! Niemand kann dich zwingen, eine Ware - oder Dienstleistung - im Wert von mehreren Hundert Euronen zu kaufen, wenn du sie nicht vorher in aller Ruhe besichtigen und anfassen darfst!

4. Entscheide in aller Ruhe!

Nachdem du Informationen von mehreren - mindestens aber zwei verschiedenen - Bootsfahrschulen eingeholt hast, kannst du in aller Ruhe entscheiden.

Die Prüfungsausschüsse machen das ganze Jahr über Prüfungen; wenn es sein soll auch mehrmals im Monat. Und wenn du 16, 18 oder noch mehr Jahre gewartet hast, werden ein paar Monate dich nicht unglücklich machen - die falsche Bootsfahrschule aber ganz sicher!

Also überlege in Ruhe, wem du dein Geld anvertrauen willst und von wem du glaubst, dass er dich sicher durch die Prüfung bringen wird. Beim geringsten Zweifel kannst du dich ruhig umdrehen und weitersuchen, denn eines ist so sicher, wie das "Amen!" in der Kirche: Es gibt fast so viele Bootsfahrschulen, wie Sand am Meer - und auch für dich ist genau die Richtige dabei!

5. Insbesondere bei Komplett-Kursen ist der Trainer entscheidend!

Achte insbesondere darauf, dass der Trainer einen guten Eindruck auf dich macht! Das ist das Mädel - oder der Bursche -, die bzw. der dich durch die Prüfung schleifen soll. Wenn sie oder er dir das Gefühl geben, vielleicht gute Seeleute zu sein, aber das Wissen nicht vermitteln können, dann hilft dir das zumindest bis zur Prüfung nicht wirklich viel!

Und auch umgekehrt sieht's ähnlich aus: Macht der Trainer den Eindruck, ein guter Theoretiker zu sein, ist es bis zur Prüfung sicherlich super, für weitere, ganz besonders praktisch orientierte Kurse - die wohl jeder ins Auge fassen sollte - eher nicht.

6. Wenn alle Stricke reißen: Dein zuständiger Prüfungsausschuss weiß immer Rat!

Im Prüfungsausschuss sitzen - Wer hätte das gedacht? - genau die Prüfer für deine SBF-Prüfung. Sie haben sie alle gesehen! Jede einzelne Bootsfahrschule deines Einzugsbereiches ist bereits dort angetreten. Mit jeder einzelnen hat der Prüfungsausschuss Erfahrung.

Wer, wenn nicht die Mädels und Jungs des Prüfungsausschusses - weiß so genau, welche Bootsfahrschule dir helfen kann? Wenn dir also alle Stricke reißen und du völlig orientierungslos bist, dann rufe einfach bei deinem zuständigen Prüfungsausschuss an und frage, ob man dir nicht helfen kann!

Der Prüfungsausschuss darf dir keine Empfehlung für oder gegen eine Bootsfahrschule geben. Er darf dir aber Anbieter nennen, die du dann selbst unter die Lupe nehmen kannst.